Vergleich – Frühstart-Rente versus Juniordepot
Hier eine Übersicht, gestützt auf den aktuellen Stand (BMF-Referentenentwurf vom 22.07.2026):
Gemeinsamkeiten
- Beide sind kapitalgedeckte Depots für Minderjährige, die auf breit gestreute Wertpapiere (ETFs/Aktienfonds) setzen und von langfristigem Zinseszinseffekt profitieren sollen.
- Bei beiden können Eltern, Großeltern oder Paten zusätzlich einzahlen.
- Beide zielen auf frühen Vermögensaufbau für das Kind – finanzielle Bildung wird bei der Frühstartrente sogar explizit als Programmziel genannt.
Unterschiede
| Frühstartrente | Juniordepot | |
|---|---|---|
| Rechtsgrundlage | Gesetzentwurf (Referentenentwurf 22.07.2026, Verabschiedung bis Ende 2026 geplant) | Normales Wertpapierdepot, seit Jahren am Markt |
| Staatliche Förderung | Ja: 10 €/Monat vom Bund, für Kinder ab Jahrgang 2020 (die 2026 sechs werden), rückwirkend ab 1.1.2026, bis zum 18. Lebensjahr | Nein, keine staatliche Zulage |
| Zusätzliche Einzahlungen | Bis 6.840 €/Jahr möglich (auch unabhängig von der Förderung für alle Kinder 6–18) | Frei, kein gesetzlicher Höchstbetrag, begrenzt nur durch Broker/Bank |
| Verfügbarkeit | Gesperrt bis zur Regelaltersgrenze (Rente) – keine vorzeitige Auszahlung, auch nicht für Ausbildung o.ä. | Frei verfügbar, Geld gehört dem Kind ab Volljährigkeit, für jeden Zweck (Führerschein, Studium, Auslandsjahr) |
| Besteuerung | Förderung selbst einkommensteuerfrei; Erträge bis Auszahlungsphase steuerfrei; volle Besteuerung der Auszahlung in der Rentenphase nach § 22 Nr. 5 EStG | Kapitalerträge unterliegen der Abgeltungsteuer, aber der Kinder-Sparerpauschbetrag (aktuell 1.000 €) und ggf. der Grundfreibetrag über NV-Bescheinigung greifen – oft de facto steuerfrei |
| Kostenobergrenze | Gedeckelt auf max. 1,0 % Effektivkosten p. a. für das „Standarddepot Altersvorsorge“ – nur für diese Verträge gilt der Deckel | Kein gesetzlicher Deckel, aber am Markt frei wählbar |
| Übergang mit 18 | Weiterbesparen bis zur Rente oder Wechsel in zertifizierten Altersvorsorgevertrag | Depot wird zum normalen Erwachsenendepot, freie Verfügung |
| Alternative ohne Vertrag | Ohne individuellen Vertrag fließt die Förderung automatisch in eine kollektive Bundesbank-Anlage (global, Aktien/-fonds) | entfällt |
Zum Kostenbeispiel
Die geplante Kostenobergrenze von 1 % für die Frühstartrente wird von Verbraucherschützern wie Finanztip kritisiert: weltweit streuende passive Aktien-ETFs gibt es bereits für rund 0,2 Prozent pro Jahr, und Finanztip hat vorgerechnet, dass über 60 oder 70 Jahre unnötig hohe Gebühren die Sparer Zehntausende Euro kosten. Finanztip hatte zuvor sogar einen Deckel von 0,5 % gefordert.
Beim Juniordepot dagegen liegen die TER marktüblich schon heute deutlich niedriger: Anbieter wie Trade Republic setzen etwa auf den Vanguard FTSE All World mit 0,22 % TER oder den Vanguard ESG Global All Cap mit 0,24 %, teils werden diese Produktkosten sogar erstattet. Der 1-%-Deckel der Frühstartrente ist also eher eine Obergrenze zur Missbrauchsvermeidung als ein Gütesiegel – ein günstiges, selbst gewähltes Juniordepot kann de facto kostengünstiger sein.
Praktisch bedeutet das: Die Frühstartrente ist als „kostenloser Einstieg“ (10 €/Monat geschenkt) sinnvoll mitzunehmen, ersetzt aber wegen der Bindung bis zur Rente kein flexibles Juniordepot für Ausbildungs- oder sonstige Zwecke des Kindes.
Hier die Quellen aus meiner Recherche:
Zur Kostenobergrenze von 1 % (Frühstartrente / Standarddepot):
- Finanztip: „Aktuell ist wie beim AV-Depot aber noch eine Kostenobergrenze von 1 % pro Jahr geplant. Das ist aus unserer Sicht zu hoch und würde langfristig einen spürbaren Teil der Rendite auffressen.“ Und weiter: weltweit streuende passive Aktien-ETFs gibt es heute bereits für rund 0,2 Prozent pro Jahr, und Finanztip hatte im März 2026 bereits einen Kostendeckel von 0,5 % gefordert, unterstützt von über 250.000 Petitions-Unterzeichnern. Quelle: finanztip.de, „Frühstart-Rente: Bekommen wirklich alle Kinder 10 Euro im Monat?“ (https://www.finanztip.de/daily/fruehstart-rente-bekommen-wirklich-alle-kinder-10-eur-im-monat/) und Pressemitteilung finanztip.de vom 24.07.2026 (https://www.presseportal.de/pm/112681/6320449)
- Versicherungsjournal: „Alle Anbieter der geförderten Altersvorsorge haben diese Standarddepot-Verträge in ihrem Angebot und nur für diese Verträge gilt der Effektivkostendeckel von einem Prozent.“ Quelle: versicherungsjournal.de, „Frühstartrente: Gesetzentwurf sorgt für Empörung“ (https://www.versicherungsjournal.de/markt-und-politik/fruehstartrente-gesetzentwurf-sorgt-fuer-empoerung-156348)
- MarketScreener/dpa zur gesetzlichen Grundlage des Deckels (auch für das allgemeine Standard-Altersvorsorgedepot, Bundestagsbeschluss 27.03.2026): „Für ein neues Standard-Altersvorsorgedepot gilt künftig eine Kostenobergrenze von 1,0 Prozent der Effektivkosten.“ Quelle: de.marketscreener.com (https://de.marketscreener.com/boerse-nachrichten/bundestag-beschliesst-riester-nachfolge-klingbeil-kuendigt-fruehstartrente-an-ce7e51dbdc88f023)
- BMF-Referentenentwurf selbst (Primärquelle, 22.07.2026): bundesfinanzministerium.de, „Entwurf eines Gesetzes zur Einführung einer Frühstartrente“ (https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Gesetzestexte/Gesetze_Gesetzesvorhaben/Abteilungen/Abteilung_IV/21_Legislaturperiode/2026-07-21-FruehStRG/0-Gesetz.html)
Zu den TER-Werten für Juniordepots (0,22–0,25 % etc.):
- Handelsblatt-Vergleich: konkret der Vanguard FTSE All World mit 0,22 % TER, der Vanguard ESG Global All Cap mit 0,24 % TER und der Vanguard LifeStrategy 80 % Equity mit 0,25 % TER bei Trade-Republic-Kindergeld; bei Scalable Capital liegen die ETF-Produktkosten ab 0,12 Prozent, bei „Scalable Wealth“ ist die Verwaltungsgebühr bis 18 auf null gesetzt. Quelle: handelsblatt.com, Vergleich „Frühstart-Rente: Das Altersvorsorgedepot für Kinder“ (https://www.handelsblatt.com/vergleich/fruhstart-rente/)
Für die Modellrechnung habe ich 0,25 % TER angesetzt – ein realistischer, eher konservativer Wert im Vergleich zu den günstigsten am Markt verfügbaren Angeboten (0,12–0,22 %).
